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LESEPROBE

Titel: Aus Neugier ziehen wir um die Welt Band I


Inhaltsverzeichnis

Wolfgang und Anni Zellingers große Reise, gestartet im Jänner 1999


Einleitung – Was ich zuerst sagen wollte 8
Kapitel I: Österreich, Italien, Tunesien, Libyen und genauso zurück
nach Österreich.
Von Jänner 1999 bis Juli 1999

Der Anfang der GROSSEN Reise 11 Das Land ohne Münzen 13 Das Hammelfest in Tunesien 17 Das Osterfest in Sizilien 18 Vulkan und Stiefel 19
Kapitel II: Österreich, Italien, Griechenland, Türkei, Syrien, Jordanien,
Saudi Arabien, Jemen, zurück nach Jordanien, Israel, Zypern,
über Griechenland, und Italien zurück nach Österreich.
Von September 1999 bis Mai 2000

Auf nach Syrien – endlich wieder unterwegs 23
Felix Arabia? Abenteuer Jemen! 31 Unterwegs im Königreich Jordanien 42 Shalom Israel! 49
Zypern und ein bisschen Griechenland 53

Kapitel III: Österreich, Italien, Türkei, Iran, Pakistan, Indien, Nepal,
zurück über Indien und Pakistan in den Iran von dort in die
Vereinigten Arabischen Emirate, Oman, über Saudi-
Arabien nach Jordanien und zurück nach Österreich
wie bei Kapitel II.
Von September 2000 bis Mai 2001

Über den Brenner und zur Grenze Persiens 57
Unterwegs im Gottesstaat Iran 61
Die Reise in den Karakorum 63
Auf dem Karakorum Highway 67
Sechs Wochen Indien 73
Unsere Nepal-Erlebnisse 78
Der lange Weg nach Arabien 84 Die sieben, zusammengehörenden, Arabischen Emirate 91
Die Omanischen Saubermänner 94
Der Home-Run: vom Oman nach Österreich 99

Kapitel IV: Australien, die ersten acht Monate in Victoria, Tasmanien
und Teilen von New South Wales und Queensland.
Von September 2001 bis Juni 2002

„Down under“ 104
Australien, das „Andersrum-Land“ 105
Tasmanien, die „unanständige“ Insel! 110
Weit ist der Weg nach Tibooburra. Und staubig! 116

Kapitel V: Australien, die nächsten sieben Monate in Südaustralien,
Westaustralien und Teilen des Northern Territorys.
Von August 2002 bis Februar 2003

„Hintendraussen“ – Australiens Outback! 125
Löwen, Emus, Wein und Kirchen 135 Viel Picknick und viel Feuerwerk in Westaustralien 143

Kapitel VI: Australien, die letzten vier Monate von Perth in
Westaustralien in das Northern Territory nach Darwin,
weiter nach Queensland und fast immer an der Küste
entlang nach New South Wales, dort bis Sydney.
Von Juni bis September 2003

Palmedes-Mausedes und Frühstück mit den
Krokodilen 152
Abschied vom Roten Kontinent 159


Kapitel VII: Tahiti und die Osterinsel, Ankunft in Chile,
September/Oktober 2003

Ein kleines Stückchen Südsee 165
Rapa Nui, die Osterinsel 169
Die Ankunft in Südamerika: erst unsere, dann die
des Palmedes 173

Kapitel VIII: Südamerika, die ersten acht Monate in Chile und Argentinien,
von Oktober 2003 bis Juni 2004

Tierische Tage im wilden Patagonien 178
Land der Feuer, Land der Gletscher und der Umweg
ist das Ziel 184
Meeresrauschen in Argentinien und Schneeschaufeln
in Chile 192
Pampa, Berge, Regenwald 198

Kapitel IX: Südamerika, kommt aber erst in ein paar Jahren in Band 2!

Unser Fahrzeug, der Palmedes 208

Wer sind denn Anni und Wolfgang Z.? 211

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Weit ist der Weg nach Tibooburra. Und staubig!


Das Krokodil hat das große Maul weit aufgerissen und die spitzen, langen Zähne sind nur wenige Zentimeter von meinem linken Arm entfernt! Ich bewege mich ganz, ganz langsam und ergreife mit der rechten Hand mein ... Bierglas. Zum Glück ist das Krokodil schon tot und ausgestopft und hängt in einem australischen Pub. Diese Kneipen haben’s schon in sich! Auch das Barmädel hat ihre weiblichen Reize nur unzureichend bedeckt. Der silberne BH, der neben dem Krokodil hängt, kann nicht ihr gehören, dazu ist er viel zu klein! Und da hängt, steht und liegt noch mehr herum: eine speckige Lederhose, bunte Visitenkarten, alte Geldscheine, ein Foto von einem Pferd, das genau dort steht, wo ich jetzt sitze, irgendwelche Schilder, das Angebot des Wirtes sein Lexikon zu verkaufen, da seine Gäste ohnehin alles besser wissen, ein paar Reklameschilder, uralte Plakate, ein rosa Spitzen-Höschen (auch zu klein), bunte Poster und was es sonst noch so alles gibt, z.B. ein alter Zahnarztstuhl! Eine Unterhaltung ist wegen des Dialektes schwierig. Was wir hier suchen? Ein seltenes Tier suchen wir. Ein alter Mann, dessen Lieblingsbeschäftigung man seiner leuchtenden Nase ansehen kann, gibt Auskunft: dort an der Biegung des Flusses können wir es sehen und auch trotz des Verbotsschildes campen.
Und wirklich sehen wir es in der Abenddämmerung: das einzig giftige Säugetier der Welt, ein giftiges Säugetier mit Beutel, sozusagen das giftige, eierlegende, säugende Beuteltier mit Flossen, ohne Ohren und mit einem Schnabel! Das unglaubliche Schnabeltier schwimmt munter vor uns im träge fließenden Fluss vorbei, taucht kurz unter, wühlt den Schlamm auf, taucht wieder auf und zieht seine Runde. Ein zweites, kleineres Schnabeltier kommt ganz nahe und ist keine zwei Meter vor uns, wahrscheinlich ein ungiftiges Weibchen. Warum das Männchen an den Hinterflossen Giftstachel hat weiß bisher so genau keiner. Nur einige Fischer, die ihre Reusen kontrolliert haben, wissen es, aber die können jetzt nichts mehr sagen!
Ich bin so mit der Beobachtung des Platypus, wie das wundersame Urtier hier so schön heißt, beschäftigt, dass ich beinahe eine dunkle Schlange mit gelbem Bauch übersehe, die über meinen Fuß huscht und hinter einem Frosch her ist. Aber das hübsche, grüne Froscherl ist schneller! Ich erschrecke trotzdem, denn hier in Australien gibt’s einige der giftigsten Schlangen der Welt.
Entschuldigung, man sollte ja eigentlich immer von vorn anfangen mit dem Erzählen, aber das ist schwer! Also: die Überfahrt von Tasmanien war ruhig, die Ankunft in Melbourne ebenso. Wir fahren gleich in „unseren“ Park, einer grünen Insel am Rande der großen Stadt, die täglich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang geöffnet ist. Die Aufseher stört es nicht, dass wir uns gerne einschließen lassen. So haben wir ruhige, ungestörte Nächte und entdecken eines Morgens im Geäst eines niedrigen Baumes einen Eulenschwalm. Ein fast 30 cm großer Vogel, der aufgrund seiner Tarnfarbe kaum zu sehen ist und hier „Frogmouth“ heißt. Wir genießen noch ein paar Tage Melbourne: den ruhigen botanischen Garten mit den fliegenden Hunden in den Bäumen und als Kontrast anschließend das angeblich größte Shoppingcentre Australiens mit über eintausend Läden in Chadstone! Schön ist in der Innenstadt das Gebäude der alten Börse, innen und außen wie eine Kirche! Ein Kaffee im griechischen und eine Pizza im italienischen Viertel und ein Fest der Sinne im Victoria Markt: eintausend Stände mit Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, und Souvenirs und so weiter. Hier kommt die multikulturelle australische Großstadtgesellschaft voll zum Zuge: mediterran, asiatisch, orientalisch – alles ist vertreten. Das Angebot an Gewürzen, Chutney und Saucen aller Schärfegrade ist enorm und lässt den Koch in mir nicht mehr zur Ruhe kommen. Man braucht zum Glück auch nicht alles zu Fuß gehen, denn eine kostenlose Straßenbahn bimmelt ständig rund ums Zentrum herum.
Unten, in der Nähe des Hafens, ist der Yarra-Fluss; kein sehr appetitliches Gewässer. Die Tennisspieler, die im Jänner die Australian-Open gewinnen, müssen trotzdem hineinspringen, das ist Tradition. Oben, wo es in die Berge geht, ist der Yarra ein schöner Fluss, der sich durch Weinberge und Wälder windet, die aus den schlanken, überdimensional hohen Bergeschen bestehen. In den Wäldern – wie könnte es anders sein – gibt es zahlreiche ruhige Picknickplätze, die sich auch hervorragend zum Ausruhen und zum nächtlichen Beobachten der Tiere eignen. Viele von den Tieren können wir allerdings nicht sehen, nur hören, was allerdings in der tiefdunklen einsamen Nacht, weit draußen im Wald, auch seinen gespenstischen Reiz hat.
Wir haben weitere Bücher in unsere Aussie-Bibliothek aufgenommen, in denen diese Camps beschrieben werden und vor allem die Strassen, an denen man sie findet.
Die ersten Kilometer in Richtung der Berge im Nordosten Victorias sind sehr ruhig. Natürlich fahren wir nicht die direkten Routen, sondern auf Nebenstraßen getreu dem dummen Spruch: „Der Umweg ist das Ziel!“ Es werden staubige Pisten über die höchsten Berge Victorias, vorbei an jetzt verlassenen Skigebieten, durch Seitentäler hinüber nach New South Wales, welches wir bei einem Nationalpark mit fast unaussprechlichem polnischem Namen erreichen. Es ist der Kosciuszko NP, dessen höchste Erhebung mit knapp über 2220 Metern auch der höchste Gipfel Australiens ist.
Wieder liegt das große Erlebnis in der Einsamkeit und dem Beobachten der Tiere: An einem Stausee grasen buchstäblich tausende von Känguruhs und zum ersten Mal sehen wir sie auch beim Boxen. Zwei männliche, große, graue Tiere tragen einen spannenden Kampf aus, bei dem es ganz schön hart zu- aber vor allem um ein Weibchen geht. Der Sieger fährt im wahrsten Sinne des Wortes seinen Penis aus und dupft das dabei nicht sehr glücklich aussehende Weibchen recht heftig. Das junge Känguruh wird nur einen Monat nach der Befruchtung geboren, dabei ist es nur so groß wie eine Olive und krabbelt schon hoch in den Beutel und saugt sich an der Zitze fest. Ausgewachsen erreicht es dann Menschengröße!
Anni erfreut sich wieder einmal an den Magpies, auf deutsch „Flötenvogel“, einer unseren Elstern ähnlichen australischen Vogelart, die ihre ewig schreienden Jungen ständig füttern müssen. Anni hilft ihnen dabei und bekommt daher später von Freunden den Beinamen „Mutter aller Magpies“. Die Jungvögel erkennen sehr schnell, dass sie von Anni mehr bekommen als von der eigenen Mama! Sie hat auch Vogelfutter gekauft und stellt eine Wasserschüssel als Vogelbad auf, das viele Tiere anlockt. Zum Beispiel auch ganze Schwärme von grün-blauen, laut krächzenden Papageien.
Es gibt hier schöne Vögel mit langen, gefächerten Schwanzfedern, die daher Lyra-Birds heißen und die alle möglichen Geräusche nachmachen, sodass mancher unwillkürlich zum Handy greift! Einer der Vögel muss im Pub gewesen sein, denn er ruft mit lautem „ViBi, ViBi“ nach dem bekannten Victorian Bier. Von noch einem wichtigen Vogel muss ich erzählen, dem Coorawong – auf deutsch: Dickschnabelwürgekrähe. Sie sind groß und schwarz, haben leuchtend gelbe Augen, einen gewaltigen Schnabel und sind vor allem gar nicht schüchtern und kommen uns manchmal in großer Menge sehr, sehr nahe. Das erinnert mich doch an einen Film...
Auf der weiteren Fahrt werfen wir einen Blick auf Canberra, der künstlichen Hauptstadt Australiens und künstlich sieht’s auch aus! Eine Stunde spazieren fahren reicht uns.
Dann erschrecken uns die Wälder südlich von Sydney, die von den gigantischen Bränden Ende 2001 heimgesucht wurden. Jedoch ist es schön zu sehen, wie bereits wieder die ersten grünen Triebe und Blätter aus den schwarzen Baumstämmen hervorsprießen! Es ist ja erst Februar.
Und dann tauchen wir wieder einmal ein in eine der schönsten Großstädte der Welt: Sydney!
Die Stadt hat ein unglaublich angenehmes Flair, ist geschäftig aber nicht hektisch, ist bunt aber nicht grell, die Menschen sind interessiert aber nicht aufdringlich und sie fühlen sich international, sind aber keine Angeber. Dazu kommt diese einmalige Lage an mehreren Meeresbuchten, Flussmündungen und sanften Hügeln. Fähren sausen durchs Wasser, Brücken spannen sich darüber, der Verkehr ist dicht aber unaufgeregt, das Meer ist schön blau und die paar Wolkenkratzer sind auch nicht schlecht! Dazwischen einige victorianische Gebäude, viele Parks und Gärten, natürlich die wichtigen Pubs und auch alle üblichen Fast-Food Ketten. Wir fühlen uns wohl und bleiben länger als geplant.
Nicht weit von der Innenstadt, im Park eines Krankenhauses, finden wir einen halbwegs ruhigen Stellplatz. Ruhig ist es nicht immer, manchmal ist dies die Einflugschneise und die Flugzeuge wecken uns kurz vor sechs, um dann im Fünf-Minuten-Takt über uns hinwegzudüsen. Macht nichts, wir stehen auf, fahren mit der Fähre in nur 10 Minuten ins Zentrum um herumzuwandern und – zum Beispiel – die schönste Toilette Australiens zu finden, im kolossalen Victoria-Building in der George Street, kostenlos natürlich. Oder den botanischen Garten, mit Blick hinüber zur weltberühmten Oper auf der einen und der hohen Harbour Bridge auf der anderen Seite. Oder nach China-Town zum Mittagessen. Oder in die Galerie von New South Wales mit viel Aborigines–Kunst im Kellergeschoss. Oder in einer Shopping-Mal, wo man viel Geld ausgeben kann. Da ist es schon besser mit der Fähre hinüber zufahren in den Ferienort Manley, ein bisschen zu baden und das dortige Aquarium zu besuchen.
Aber irgendwann reicht uns auch die schönste Stadt des Kontinents. Es packt uns wieder und wir müssen hinaus in die nur wenige Kilometer hinter der Stadt beginnende Einsamkeit. Wieder wilde Berge, staubige Pisten, dichte Regenwälder, komische Viecher und auch eigenartige Pflanzen. Bäume, die völlig unmotiviert ihre Äste abwerfen und schon so manchen Wanderer getroffen haben; Sträucher, die nach Schokolade riechen und andere, deren Fruchtkapseln die Hitze eines Waldbrandes brauchen um aufzuspringen und sich zu vermehren. Unterwegs muß ich einen umgestürzten Baum durchsägen und wegschleppen und dann kommt eine Forststrasse, die eigentlich gesperrt ist, aber das merken wir erst hinterher, als es zum Umkehren zu spät ist und ich mit Schweiß auf der Stirne an steilen Abhängen auf einer fast weggeschwemmten, schrägen Piste entlang rutsche.
Wieder an der Küste überqueren wir die Grenze nach Queensland, die Gegend heißt „Golden Coast“ und das liegt daran, weil Mädchen in goldenen Bikinis die Parkuhren füttern, damit die Touristen länger bleiben. Wir bleiben trotzdem nicht, es ist alles sehr fremden-verkehrt! Es ist wirklich grauenhaft, die schlimmsten Auswüchse des Massentourismus kann man hier bestaunen. So schnell wie möglich fahren wir weiter. Es ist nicht weit bis Brisbane. Wir verbringen ein paar ruhige Tage in der wenig spektakulären Stadt. Allerdings gibt’s hier Erdinger Weißbier vom Fass, eine schöne Kunstgalerie, Wasserdrachen im Botanischen Garten und ein freches, neugieriges Possum das sich an unserem Abendessen beteiligen will. Das sind die kleinen Kletterbeutler, mit dem langen Schwanz, den sie zum Arbeiten und Festhalten benutzen. Oder wenn’s drauf ankommt, auch um daran hochzuklettern!
Unser nächstes, lange geplantes Ziel heißt Fraser Island! Die ganze Insel ist ein Nationalpark, sie liegt dicht vor der Küste, ist 130 Kilometer lang und 25 Kilometer breit und obwohl aus reinem Sand, doch recht dicht bewaldet. Es hat daher zwar eine unwahrscheinlich schöne Landschaft und herrliche Süßwasser-Seen zwischen den Dünen, aber die Begleitumstände sind für uns leider nicht so besonders. Jährlich tausende Allradfahrzeuge haben die ungepflegten Pfade extrem schlecht werden lassen, mit oft einem halben Meter tiefen Fahrrillen und dort wo Steine und Wurzeln sind, ist’s sehr, sehr rau und eng, sodass man den tiefhängenden Ästen der Bäumen oft nicht ausweichen kann, daher hat unser Palmedes auch ein paar Kratzer mehr im Lack! Und dazu kommen noch viele Moskitos und zuletzt hatten wir auch noch einen regelrechten Sandfliegen-Überfall! Beim Stehenbleiben am Ende einer Sandstrecke, um wieder Luft in die Reifen zu pumpen, war ich innerhalb weniger Minuten zerstochen und wir hatten die bösen, winzigen Viecher auch noch im Auto! Zwar können wir uns nicht beschweren, da wir das Insektenproblem bisher in Australien nicht kennengelernt haben. Aber Sandfliegen sind halt besonders schlimm, weil’s eine Woche lang juckt und wenn man so wie ich mindestens hundert Bisse hat, dann...
Einmal nur sind wir im Sand steckengeblieben, das war nach einer halben Stunde schweißtreibendem Schaufeln erledigt. Ich bin sehr vorsichtig gefahren da wir unser Auto bei diesen Pisten sowieso genug geschunden haben. Diesmal sind wir wegen der fehlenden Bodenfreiheit wirklich an die Grenzen unserer Geländefähigkeit gekommen. Traumhaft schön waren die mondlosen, sternenklaren Nächte auf der Insel, an und in den Seen. Außer den Sternen haben nur die Augen der uns beobachtenden wilden Dingo-Hunde in der Dunkelheit geblitzt.
Auf dem Festland geht’s gleich hinauf in die Berge und in einer großen Schleife hinaus ins Outback. Wieder kreuzen faszinierende Viecher unseren Weg: scheue Dingos, die ungern fliegenden Trappen, Adler beim Fischen und eine träge Python-Schlange in der Morgendämmerung. Dann ein Paar der seltenen Brolga-Kranich, deren anmutige Tänze schon die Ureinwohner begeistert haben. Eine ebenso seltene Känguruh-Art mit gelben Füßen und honigsaugende Blauohr-Vögel. Ein großer, sehr grüner Baumfrosch macht es sich auf meinem Campingsessel bequem: er ist so hell und so glänzend und so giftig-grün, dass ich im ersten Moment denke: wo kommt das Plastikvieh her?
Leider finden auch Mäuse und Ameisen den Palmedes gemütlich. Dazu besuchen uns noch King-size-Heuschrecken, ein paar haarige Spinnen und sehr, sehr wenig Menschen! Wir genießen es, so langsam zu reisen wie es uns gefällt und wie wir es jetzt endlich tun können. Und oft bleiben wir irgendwo stundenlang stehen, nur um ein Tier in Ruhe zu beobachten.
Doch dann lockt wieder ein Bad im Meer. Vor uns, draußen im Ozean, liegt das Große Barrier Riff, der Traum eines jeden Tauchers. Also machen auch wir uns auf den Weg, vorbei an den vielen, kleinen paradiesischen Whitsunday-Inseln und sausen mit einem Katamaran die 40 Seemeilen hinaus zu der Wunderwelt der bunten Korallen und exotischen Fische. Wenn man Schönheit definieren müsste: mit dem was man hier durch die Taucherbrille entdeckt, könnte man es allemal. Warmes, azurblaues Wasser, kein Seegang, beste Verpflegung: alle Begleitumstände sind ideal. Und so wird dieser Ausflug einer der großen Höhepunkte unserer bisherigen Australienreise. Nur noch ein Wort fällt mir ein: unbeschreiblich!
Allerdings sind wir jetzt auch schon in den Tropen und es wird jeden Tag, mit jedem Kilometer nach Norden heißer und heißer. Nachts kommen die „Flying Foxes“, die auf deutsch „fliegenden Hunde“ sind. Sie haben große Augen, die sie auch brauchen, weil sie kein Echolotsystem besitzen. Um zu ihren Futterplätzen zu gelangen, fliegen diese Früchtefresser oft Waldwege und Forststrassen entlang und das sehr tief. Es ist schon ein bisschen unheimlich, wenn einem so ein großes, schwarzes, lautloses Tier, die weiten Flügeln schwingend, nachts begegnet!
Wir beschließen, den nordöstlichen Zipfel Australiens, die Cap York Halbinsel, zu einer kühleren Jahreszeit zu bereisen und überqueren bei Townsville Richtung Westen das große Gebirge, das die Küste und das Inland trennt. Vierhundert Kilometer danach schwenken wir Richtung Süden. Dann bedeuten eintausendfünfhundert Kilometer im Outback wieder Einsamkeit, Staubstrassen, unendliche Weite und vor allem ein ungeahntes Gefühl von Freiheit!
Schon der erste Tag bekommt einen Namen: der Emu-Tag! Wir begegnen wirklich Dutzenden von diesen großen, eigenartig laufenden Vögeln. Die Orte, die wir durchqueren sind alles kleine, windige Kaffs mit einem Hotel, wie die Pubs hier großspurig heißen. Abends sitzen hier sämtliche Einwohner, zusammen mit vielen Fliegen, viel Staub und viel Gegend drum herum. Wenn ich schreibe „sämtliche Einwohner“, so meine ich zum Beispiel im Falle eines Ortes, dessen Namen ich zurecht vergessen habe, vier Mann und eine Frau! Einmal haben wir auf 250 Kilometern keinen Menschen und kein anderes Auto gesehen! Und schließlich kommen wir in die angeblich heißeste Stadt des Kontinents: Tibooburra ist mit seinen sagenhaften 152 Einwohnern selbst in kleineren Landkarten verzeichnet, weil es dreihundert Kilometer im Umkreis keine andere Siedlung gibt! Endlich erreichen wir den ersten der im äußersten Südwesten von New South Wales so abgelegenen und daher einsamen aber wunderschönen Nationalparks. Es ist ein breiter Bergrücken mit langen, tiefen Schluchten, in dem Aborigines tausende Jahre gelebt und ihre Spuren hinterlassen haben. Ein Gefühl der Mystik und Energie, die manchmal von solch ungewöhnlichen Orten ausgeht, ist deutlich zu spüren. Auf langen Wanderungen lassen wir diesen Platz namens Mutawintji auf uns wirken. Wir biegen auf den löchrigen „Silver City Highway“ ab, eine schlechte Schotterstrasse in Richtung Süden.
Aber inzwischen ist der April zu Ende gegangen. Das heißt, hier ist jetzt Herbst. Das Laub der Bäume verfärbt sich und die Weinernte beginnt im südlichen Australien. Da müssen wir natürlich unbedingt dabei sein! Am schönsten finden wir es wieder in der Nähe von Mildura am Murray River. Dieser Fluss, der im Kosciuszko entspringt, mäandert sich real 2000 Kilometer bei einer Luftlinie von 800 Kilometern durch das Land, bevor er in der Nähe der südaustralischen Hauptstadt Adelaide das Meer erreicht. Dieser Flusslauf ergibt schöne Halbinseln in den Schlaufen des trägen Gewässers, auf dem viele Hausboote unterwegs sind, deren Besatzung uns fröhlich zuwinkt, wenn wir einen schönen Platz unter den Uferbäumen gefunden haben. Und dann gibt es noch ein paar Nationalparks, die wir zwischendurch erkunden wollen. Zum Beispiel die Grampians, ein wanderbares Bergmassiv. Oder Wilsons Promotory, auch viel zum wandern, aber hauptsächlich berühmt für seine vielen Wombats. Diese Beuteltiere sind mit keinem europäischen Tier zu vergleichen: etwa einen Meter lang, dichtes, graues Fell, eher rundlich, faul und nachtaktiv, fast 20 Stunden täglich verschläft er und ist daher selten zu sehen. Der Beutel der Wombat-Mama geht nach hinten auf, damit beim Graben – mit den sichelförmigen Krallen – nach nahrhaften Wurzeln kein Dreck hineingeschleudert wird. Wie bei einem Nager wachsen die Schneidezähne ständig nach.
Also suchen wir in der Dämmerung nach diesen Tieren. Und da ist sie auch schon, die viereckige Losung vom Wombat, die deswegen ein Wunder ist, weil sie aus einem runden Loch kommt! Minuten später wuseln schon ein Muttertier und ihr Junges herum, um in der Nähe der meist schlitzäugigen Touristen nach deren Hinterlassenschaft zu suchen!
Wir parken unser Auto bei den hilfsbereiten Kalkbrenners aus München, die jetzt schon seit mehr als 40 Jahre in Melbourne wohnen. Denn jetzt machen wir eine kurze Pause vom Reisen. Außerdem brauchen wir ein neues Visum für uns und ein neues Carnet – eine Art Zollpapier – für den Palmedes.

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